Proteste gegen die AFD in Fredenbeck: Wenn auch Freibier, Bratwurst und Popcorn nicht zum Polittalk locken können

Zwei Pavillons, nahezu versteckt unter dem Grün mächtiger Bäume, davor eine klägliche Zusammenkunft von etwa 50 Personen. Gegenüberstehend vor dem Rathaus etwa 130 Menschen. Bunt gekleidet, mit originellen Protestschildern, lachende Kinder die den Rathausvorplatz mit Straßenkreide in eine überdimensionale Protestfläche verwandeln – eine Stimmung, die Hoffnung macht.
Dieses Bild bot sich uns am vergangenen Samstag in Fredenbeck, einer kleinen Samtgemeinde im Landkreis Stade. Die AFD Stade hatte dort zu Bratwurst, Freibier und Popcorn eingeladen, wohl in der Hoffnung die Menschen in Fredenbeck großzügig um sich zu scharen.
Es kamen viele Menschen, aber sie standen an diesem Tag mehrheitlich auf der anderen Seite. Mutige Fredenbecker:innen, Unterstützer:innen aus dem Landkreis Stade und dem umliegenden Landkreis Harburg, sogar aus Marburg. Sie stellten sich geschlossen gegen die Zurschaustellung der rechten Köderveranstaltung, widersprachen mit flammenden Sprechchören und Reden, sie zeigten: Fredenbeck überlässt der AFD nicht das Feld. „Ich komme hierher. Aus Fredenbeck selbst sind zum Glück kaum Leute bei denen. Sie mussten sich anscheinend selbst Menschen für ihre Bratwürste und Freibier mitbringen“, analysierte eine Aktivistin treffend.
Wirkmächtig nutzten die Aktivist:innen ihre Stimmen, um durch Aufklärung die Strategie und die Pläne der AFD zu entlarven. Durch „ländliche Raumnahme“, verfolgt die rechte Partei die Erlangung der politischen Vormachtstellung im ländlichen Raum, den andere politische Parteien aufgeben und vernachlässigen. Immobilien und öffentliche Flächen sollen gezielt eingenommen und Wahlkreisbüros sowie Abgeordnetenräume flexibel genutzt werden: Tagsüber Anlaufstelle für Bürgeranliegen, abends und am Wochenende Treffpunkt für Gemeinschaft, Austausch, Veranstaltungen und Freizeitgestaltung.
Auch dem Zusammenhang zwischen wirtschaftlich einflussreichen Akteur:innen aus dem rechten Spektrum und dem Erstarken der Rechtsentwicklung verliehen die Aktivist:innen brisante Anschaulichkeit. So ist der Vorsitzende des AFD Kreisverbandes Stade, Maik Julitz, Inhaber des im Landkreis Stade wirtschaftlich erfolgreich verankerten Unternehmens „Kunststofftechnik Julitz GmbH“. Maik Julitz kaufte sich mit 5000€ in das vom Recherchenetzwerk „Correctiv“ entlarvte Vernetzungstreffen von Neonazis und Geldgebern zur Einwanderungspolitik in der Villa Adlon in Potsdam ein. Darauf ist er stolz. So sagte er dem Stader Tageblatt: „Das habe ich gerne bezahlt und würde es auch wieder tun, weil ich Projekte bedenke, die ich für unterstützenswert halte.“. Für besonders unterstützenswert hielt er das im Vorfeld groß angekündigte Freiverkostungsprojekt seines Kreisverbandes wohl nicht, denn in Fredenbeck ließ sich Maik Julitz selbst nicht lange blicken.
Ein eindrückliches Zeichen setzten die Antifaschist:innen an diesem Tag auch durch ihre Menschenkette, die sich schützend am Eingang des Rathaushauses vorbeischlängelte. Ein symbolischer Akt des Widerstandes. Laut und kraftvoll skandierten die Menschen minutenlang: „Ihr kommt hier nicht rein!“ Was für ein Gänsehautmoment, der hoffen lässt, dass der Kommunalwahlkampf der AFD Stade und weiterer Ortsverbände nicht tatenlos und unwidersprochen von unzähligen Demokratieverteidiger:innen hingenommen wird. In diesem Sinne: Wir sehen uns auf der Straße!


