Erwiderung auf die Stellungnahme von Heiko Langanke zur Suedlese 2026 vom Harburger Bündnis „Einig gegen Rechts“.

Wir als Harburger Bündnis „Einig gegen Rechts“ nehmen die Stellungnahme von Heiko Langanke zur Kenntnis und sehen uns veranlasst, einige Richtigstellungen unsererseits vorzunehmen. Hintergrund ist die Debatte um die Verlesung von Texten eines Autors im Rahmen der SuedLese, der sich in sozialen Medien wiederholt rassistisch und sexistisch geäußert hat.
Zu unseren Erwartungen
Herr Langanke behauptet, man habe von ihm die „sofortige, offizielle Ausladung und ein öffentliches Schuldbekenntnis“ gefordert. Das ist sachlich nicht korrekt. Unsere an das Organisationsteam der SuedLese adressierten Erwartungen sind transparent in unserer ersten Veröffentlichung zum Thema nachzulesen. Wir haben das Team bereits im Vorfeld über die haarsträubenden rassistischen und sexistischen Entgleisungen des betreffenden Autors in den sozialen Medien informiert und Nachweise vorgelegt.
In der Folge müsste die von uns geforderte Distanzierung vom Autor eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, wenn man der Normalisierung rechter Positionen im Kulturbereich keinen Vorschub leisten möchte. Zwischen einem „öffentlichen Schuldbekenntnis“, wie Herr Langanke es nennt, und dem Einräumen eines Fehlers besteht ein deutlicher Unterschied – in Ton, Anspruch und Implikation. Wer einen Fehler einräumt, zeigt Stärke.
Es ist strukturell korrekt, dass die Autor*innen der SuedLese nicht zentral eingeladen werden. Aus eben diesem Grund kann auch keine Rede von „Schuld“ sein, sondern von Verantwortung: Wer Verantwortung für eine Kulturmarke trägt, darf sich nicht hinter deren dezentraler Struktur verschanzen, wenn es darum geht, inhaltlich Position zu beziehen. Dies haben wir sehr deutlich gemacht. Wir haben zu keinem Zeitpunkt verlangt, dass Herr Langanke jemanden auslädt, den er nie eingeladen hat.
Herr Langanke hat die von uns formulierten Erwartungen offensichtlich als konzertierten Angriff gegen die SuedLese als Institution verstanden. Er unterstellt uns in der Folge eine Härte, die unserem Auftreten nicht entspricht. Im Gegenteil: Im persönlichen Gespräch haben wir aktiv Unterstützung zur Findung einer konstruktiven Lösung angeboten. Dieses Angebot wurde nicht angenommen.
Ebenso gab es keine „Androhung von Konsequenzen“ von unserer Seite. Dass die Aufnahme eines Autors, der regelmäßig durch rassistische und sexistische Entgleisungen auffällt, in das Programm der SuedLese an sich inakzeptabel ist, das war und ist unser Standpunkt. Und auf dieser Basis hätte man gemeinsam handeln können. Herr Langanke teilt unsere Einschätzung der Aussagen des betreffenden Autors ausdrücklich und hat dennoch keinerlei Konsequenzen daraus gezogen – dies ist der eigentliche Kern des Problems, den er in seiner Stellungnahme konsequent verschweigt.
Zur Behauptung, es habe keinen Versuch des Dialogs gegeben
Auch dies ist schlicht falsch. Dem persönlichen Gespräch gingen zwei freundlich formulierte Mails voraus, in denen wir klar und ohne jede Polemik auf das Problem hingewiesen haben. Diese Schreiben wurden ignoriert. Anschließend haben wir das direkte Gespräch gesucht. Hier wurde allerdings deutlich, dass man nicht dazu bereit war, unsere Argumente nachzuvollziehen. Es wurde sich in Ausflüchte verlegt und zu keiner Zeit wurden wir uns einig darüber, dass die Teilnahme eines Autors, der nachweislich immer wieder menschenfeindliche Äußerungen öffentlich verbreitete, nicht hinnehmbar ist. Auch im Nachgang der SuedLese ist abermals ein Gesprächsangebot durch Herrn Langanke abgelehnt worden. Die Behauptung, es habe keine Bereitschaft zum Dialog gegeben, entbehrt jeglicher Grundlage und fällt damit auf Herrn Langanke zurück.
Zur Behauptung einer „Kampagne“ und der „vermeintlichen, real wohl nicht existenten Besucherin“
Das Bündnis ist nicht verantwortlich für Handlungen Dritter, die sich möglicherweise ebenfalls an Autor*innen oder Leseorte der SuedLese gewandt haben. Wir haben keine solche Aktion organisiert oder koordiniert. Die Insinuation, eine entsprechende Person existiere „wohl nicht real“, ist eine Unterstellung ohne jede Grundlage. Dass unsere Öffentlichkeitsarbeit zu Empörung in sozialen Medien geführt hat, überrascht uns nicht. Die Ursache dafür liegt nicht bei uns, sondern ausschließlich im Handeln der SuedLese und ihres Verantwortlichen – einem Handeln, das für viele Menschen schlicht nicht nachvollziehbar war.
Zum unerträglichen Vergleich mit NS-Verfolgungsmethoden
Nun zu dem Punkt, der in dieser Stellungnahme alles überschreitet, was noch als sachliche Auseinandersetzung gelten kann. Herr Langanke behauptet, das Bündnis bediene sich „unbedarft Methoden, die eben in der nationalsozialistischen Verfolgung System waren.“ Er zieht damit eine Linie zwischen unserem Vorgehen – zwei höfliche Mails, ein Gespräch, öffentliche Kritik – und den Methoden des NS-Regimes. Dieser Vergleich ist in seiner historischen Ignoranz schlechthin unerträglich.
Wir haben auf ein Problem hingewiesen. Wir haben das Gespräch gesucht. Wir haben in der Folge öffentlich kritisiert, dass ein Kulturformat einem entsprechenden Autor eine Bühne bietet. All dies ist zivilgesellschaftliches Engagement, hinter dem wir voll und ganz stehen. Auf diese Weise funktioniert demokratische Kritik und das Eintreten für eine offene Gesellschaft.
Die Methoden nationalsozialistischer Verfolgung – staatlicher Terror, Deportation, Folter, Vernichtung – dienten der Auslöschung demokratischer Prinzipien und ganzer Menschengruppen. Menschen, die verfolgt wurden, weil sie Jüdinnen und Juden waren, politisch anders dachten, als „asozial“ stigmatisiert wurden oder Widerstand leisteten. Diese historische Realität auch nur entfernt in einen Zusammenhang mit öffentlicher Kritik an einem Kulturfestival zu bringen, ist eine Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus. Es ist geschichtsblind, es ist verleumdend und es sagt alles über den Zustand dieser Debatte auf Seiten der SuedLese.
Wir verbieten uns diesen Vergleich auf das Entschiedenste und fordern Herrn Langanke dazu auf, ihn zurückzunehmen.
Zum Bonhoeffer-Zitat und der Frage, wer sich hier resistent gegen Argumentation zeigt
Herr Langanke zitiert Dietrich Bonhoeffer, um zu suggerieren, das Bündnis sei einer „moralischen Verblendung“ erlegen, die „gegen Argumente immun“ ist, und kommt zu dem Schluss, gegen „Dummheit zu argumentieren“ sei „aussichtslos“. Diese Einschätzung ist bemerkenswert – vor allem angesichts des einzigen inhaltlichen Gegenarguments, das im Gespräch vorgebracht wurde: Man müsse Werk und Person des Autors trennen. Ein Argument, das bereits bei näherer Betrachtung nicht trägt: Denn der Autor tritt persönlich auf. Er repräsentiert nicht nur sein Werk, sondern auch sich selbst – mit all seinen öffentlich geäußerten Haltungen. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit diesem Widerspruch blieb aus. Die Frage, wer hier argumentationsresistent war, beantwortet sich damit von selbst.
Zur Frage der Verantwortung
Herr Langanke schreibt: „Verantwortung kann man nicht befehlen; man muss um sie ringen.“ Dieser Satz klingt würdevoll – richtet sich aber in bezeichnender Weise nicht an sich selbst, sondern an uns: Wir sollen, so die Logik, darum ringen, dass er Verantwortung übernimmt. Das ist eine bemerkenswerte Konstruktion. Wer eine Funktion wie er bekleidet, trägt die damit verbundene Verantwortung – das bedarf keiner externen Aufforderung. Sie ist kein Diktat von außen, sondern Bestandteil der Rolle, die er selbst übernommen hat.
Abschließend
Wir als Harburger Bündnis „Einig gegen Rechts“ sehen die SuedLese als großen Gewinn für den Bezirk. Kulturveranstaltungen dieser Art sind wichtig und wertvoll für die gemeinsame Bildung, den Austausch, die Förderung des Diskurses und des Verständnisses im Viertel und der Gesellschaft. Gerade deshalb darf der kulturelle Bereich nicht seiner Inhalte beraubt werden; soll dies verhindert werden, ist jedoch ein Umdenken erforderlich: Wer als Träger einer Kulturmarke fungiert, trägt die damit verbundene gesellschaftliche Verantwortung und entscheidet zugleich darüber, wem im Rahmen seiner Veranstaltungen Sichtbarkeit zukommt. Dass Autoren, die rassistische und sexistische Narrative bedienen und selbst aktiv in die Welt setzen, unter diesem Dach keine Bühne finden dürfen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein und nicht Gegenstand einer jeglicher Sachlichkeit entbehrenden Gegendarstellung. Dies ist kein „Diktat“, das wir Herrn Langanke aufbürden, sondern eine Grundvoraussetzung für eine Kulturarbeit, die ihren eigenen Werten gerecht wird.
Wir hätten uns eine Klärung ohne öffentliche Auseinandersetzung gewünscht, was jedoch aufgrund der fehlenden Bereitschaft zum Entgegenkommen nicht möglich war.
Das Harburger Bündnis „Einig gegen Rechts“.
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Im Folgenden veröffentlichen wir zudem die Stellungnahme des VVN-BdA und danken nochmal für die Unterstützung in dieser Sache:
Stellungnahme zum „persönlichen Wort“ des Hauptinitiators der SuedLese Literaturtage und Verantwortlichen im Sinne des Presserechts, Heiko Langanke,
zur Kritik des Harburger Bündnisses Einig gegen RechtsSeit elf Jahren stellt die SuedLese in Harburg alljährlich ein buntes und vielfältiges Programm auf die Beine, in dem verschiedene Autor:innen ihre Werke in wechselnden und sehr unterschiedlichen Veranstaltungsorten vorstellen. Wir schätzen dieses Projekt als enorme Bereicherung des kulturellen Angebots in Harburg und der Erfolg der SuedLese zeigt, dass diese Wertschätzung breit geteilt wird.
In den elf Jahren, auf die die SuedLese zurückblicken kann, hat die AfD es geschafft, das politische Klima im Land wesentlich zu beeinflussen und die Grenzen des Sagbaren weit nach rechts zu verschieben. Dabei spielen die Sozialen Medien eine wichtige Rolle – nicht nur für die Verbreitung von Lügen, Halbwahrheiten, Hetze und Gemeinheiten aller Art, die direkt von der Partei und aus ihrem Umfeld kommen, sondern auch als Resonanzraum, in dem sie Widerhall finden. Dieser Widerhall sorgt dafür, dass rechte Erzählungen, Parolen und Perspektiven tagtäglich die öffentliche Kommunikation fluten und zunehmend als „normal“ wahrgenommen werden können. Genau hier muss antifaschistische Intervention einsetzen. Wo sie unterbleibt, ist der Weg für die „Normalisierung“ rassistischer und anderer menschenfeindlicher, demokratie- und emanzipationsverachtender Positionen frei.
Heiko Langanke selbst qualifiziert die Äußerungen des vom Bündnis angesprochenen Autors Siegfried Kopf in dessen Social-Media-Posts als „bedenkliche, nein: widerwärtige, schändliche und mehr als kritisierbare Kommentare“. Nun kann man von einem „Literaten“ erwarten, dass er in der Lage ist, die Wirkung seiner Worte zu beurteilen. Vom Veranstalter einer Literatur-Reihe erwarten wir, dass er dem Autor solcher Posts keine Bühne bietet, auf der er sich als seriöser Autor unter anderen präsentieren kann. Heiko Langanke ist Initiator der SuedLese Literaturtage und stellt damit den Rahmen für die einzelnen Veranstaltungen zur Verfügung, er steht als Verantwortlicher im Sinne des Presserechts im Impressum des Programmhefts. Damit ist er aus unserer Sicht auch der erste Ansprechpartner, wenn diese Erwartung enttäuscht wird.
In diesem Sinne wurde er per Mail über die Posts des Herrn Kopf informiert, dazu wurde die Erwartung formuliert, dass diese Veranstaltungen aus dem Programm genommen werden. Aus unserer Sicht eine antifaschistische Intervention, die ihm die Möglichkeit gab, eine – möglicherweise in Unkenntnis der beigefügten Posts – getroffene Entscheidung (diese Veranstaltungen ins Programm zu nehmen) zu korrigieren. Weder eine Ausladung noch gar ein „Schuldbekenntnis“ wurden je von ihm verlangt. Nachdem es auf diese Mail keine Reaktion gab, erhielt die SuedLese eine Woche später eine zweite Mail mit Fristsetzung vor Beginn der Literaturtage. Nachdem auch diese Mail nicht beantwortet wurde, haben zwei Personen das persönliche Gespräch gesucht und das SuedLese-Büro zur Sprechzeit aufgesucht.
Aber auch dort kam kein Gespräch über das Thema „Umgang mit Autoren rechter Post“ im Rahmen der SuedLese Literaturtage zustande. Die Verweigerung eines Gesprächs wurde mit angeblich anonymen E-Mails (unterschrieben vom in Harburg bekannten Harburger Bündnis Einig gegen Rechts), „erpresserischer“ Fristsetzung (vor Beginn der Veranstaltungsreihe) und einer angeblich notwendigen Trennung von Autor und „Werk“ (welches er selbst auf der Bühne vorstellt) begründet. Damit war klar: die SuedLese ist nicht bereit, die Veranstaltungen mit dem Autor Siegfried Kopf, der sich mindestens im „Resonanzraum“ der rechten Szene bewegt, aus dem Programm der Literaturtage zu nehmen. Deshalb hat das Bündnis entschieden, die weiteren an den Literaturtagen Beteiligten über diesen Skandal zu informieren.
Auf einem Beschwerdebrief der SuedLese an die VVN-BdA Hamburg, wurde ein klärendes Gespräch mit Termin vorgeschlagen. Auch dies wurde von der Suedlese zurückgewiesen.
Nun beschwert sich Heiko Langanke über eine angebliche Kampagne, spricht von einem „Akt der Denunziation und der versuchten Zerstörung eines kulturellen Gefüges“. Es würden „Methoden der Verleumdung und „Kollektivhaftung“ genutzt, um Werte, die man zu verteidigen vorgibt, zu beschädigen“ und lässt seine krude Aneinanderreihung in der Schlussfolgerung gipfeln, das Bündnis habe sich „unter dem Dach der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN Hamburg)“ Methoden bedient, „die eben in der nationalsozialistischen Verfolgung System waren“.
Wir halten dem entgegen fest:Kritik an der Einbeziehung eines rechten Autors in ein renommiertes Literaturprogramm ist nicht nur legitim, sondern notwendig, denn mit dem Autor werden auch seine rechten Social-Media-Sprüche „salonfähig“. Genau hier liegt die Verantwortung der SuedLese. Wenn diese Kritik von den Verantwortlichen nicht angenommen wird, so ist auch dies kritikwürdig und wird dann notwendig öffentlich.
Zur Transparenz und zur Klärung der Frage, wer wen „verunglimpft“ fügen wir dieser Erklärung die Mails des Bündnisses an Heiko Langanke (SuedLese), die öffentliche Erklärung und unsere Mail mit dem Angebot für ein klärendes Gesprächs bei.
Wir bleiben dabei: keine öffentlichen Räume für rechte Propaganda und Propagandisten! Wer schweigt, stimmt zu!



