Erfolgreicher Protest gegen AFD-Propaganda beim Kreisseniorentag des Landkreis Harburg am Kiekeberg

„Der Landkreis Harburg präsentiert einen Tag für alle Generationen mit Vorträgen und Ständen zu Gesundheit, Freizeit, Bildung und Engagement“. Mit diesen Worten warb man auf der Internetseite des „Freilichtmuseum am Kiekeberg“ für den Kreisseniorentag 2026. Das „Abenteuer Alter“ ging am Sonntag in die nächste Runde – bedauerlicherweise auch mit der für ihre menschenverachtende Politik bekannten „Alternative für Deutschland“, Kreisverband Harburg Land.

Leider wurde das Harburger Bündnis „Einig gegen Rechts“ (HBegR) erst sehr kurzfristig von der geplanten Aktion der AfD in Kenntnis gesetzt. Gerade in diesen Zeiten der autoritären Wende und des Rechtsrucks liegt unserem Bündnis eine konstruktive Vernetzung aller demokratieorientierten Organisationen und Personen sehr am Herzen. So hätten wir sehr gerne im Vorfeld das Gespräch mit den Vertreter:innen, etwa dem Landkreis Harburg und dem Freilichtmuseum gesucht, um unsere Unterstützung bei Maßnahmen gegen eine AfD-Präsenz beim Kreisseniorentag anzubieten. So waren wir gezwungen, kurzfristig auf die Präsenz der Rechten zu reagieren.

Mit den „OMAS GEGEN RECHTS“ Buchholz und Harburg, Aktivist:innen von „Pro Demokratie Seevetal“, dem „Forum für Demokratie Hanstedt“, dem „Netzwerk Willkommen in Neu Wulmstorf“ und zahlreichen Privatpersonen kamen Vertreter:innen des HBegR daher am Kiekeberg zusammen, frei nach dem Motto: „Wenn die AfD eine Bühne bekommt, sind wir auch Teil der Show!“

„Was fällt dem Landkreis ein, diese menschenverachtende Partei hierher einzuladen?“, empörte sich eine Besucherin. Ihr taten es sehr viele Menschen in ähnlicher Weise gleich und bekundeten ihren Zuspruch zu der starken, antifaschistischen Präsenz.

Ein zu Recht empörtes und besorgtes Unverständnis

So dürften auch direkt vor Ort zahlreiche Beschwerden an den Landkreis Harburg über die Person des vor Ort befindlichen Landrats, Rainer Rempe, herangetragen worden sein. Der Tenor des überwiegend sehr demokratiebewussten Publikums an diesem Tag war eindeutig: Ein zu Recht empörtes und besorgtes Unverständnis dem Normalisierungshandeln des Landkreises gegenüber, welcher der AfD als Organisator so fahrlässig einen Raum gegeben hatte.

Gerade vor dem Hintergrund der neusten Entwicklungen bei der Statusfeststellung des übergeordneten AfD-Landesverbandes Niedersachsen, ist die Normalisierungsmanier umso alarmierender: Ursprünglich bereits im Februar, bestand die Hochstufung des Verfassungsschutzes des AfD-Landesverbandes Niedersachsen als „gesichert rechtsextremistisch“. Dagegen ging dieser zwar vor, jedoch ohne Erfolg. Mit Beschluss vom 01.06.2026 lehnte das VG Hannover den Eilantrag nun ab. Während der Verfassungsschutz in der Vergangenheit selbst durch dubiose Bezüge zur rechtsextremen Szene aufgefallen ist, ist diese Einstufung dennoch oder gerade deshalb von entscheidender Brisanz.

Ein wenig Genugtuung bescherte den „stabilen“ Besucher:innen an diesem Tag, dass die große Resonanz am AfD-Stand aus blieb. Der Großteil machte einen großen Bogen um den Stand der rechtsextremen Partei oder gab ihnen mutig zu verstehen, dass sie von ihrer Propaganda nicht belästigt werden möchten. 

Das zu beobachtende Verhalten der AfDler:innen selbst, sprach an diesem Tag einmal mehr für sich: Kritische Stimmen versuchte man vom Stand zu vertreiben oder zückte das Handy als einschüchterndes Drohinstrument für unerlaubtes Filmen.

Ins Auge fiel zudem die Standnummer „33“, vor der Robert Offermann sich fotografieren ließ. Die Worte blieben ihm jedoch im Halse stecken, wann immer Passant:innen ihn mit seiner in verschiedenen Medien nachlesbaren Vita konfrontierten: Verbindungen zur rechtsextremen „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“, seiner Zugehörigkeit zur rechten Studentenverbindung „Germania Marburg“ oder seiner Anwesenheit bei mindestens einem Naziaufmarsch in Dresden.

Auch die Bemühungen der Jugendvorstehenden der „Generation Deutschland“ Julia Gehrckens, sich mit Strohhut, weiß wehendem Rock und unschuldig anmutender Flechtfrisur, bürger:innennah zu zeigen, gingen an diesem Tag nicht auf. Zu bekannt ist sie für ihre rechten, verbalen Entgleisungen, die ihr unter anderem schon eine Rüge der Parteispitze beschert hatte, nachdem sie Pforzheim als „gottlose Kanackenstadt“ bezeichnet hatte.

Propaganda-Sticker im NS-Look

Auch das Merchandisematerial des AfD-Kreisverbandes Harburg Land ließ Besucher:innen mit funktionierendem Wertekompass sprachlos zurück. Offen präsentierte man Propaganda-Sticker im NS-Look einer der im rechten Spektrum wichtigsten Content-Creators: „Wilhelm Kachel“. Eine verlinkte Recherche des „Deutschlandfunk“ ist zur weiteren Lektüre sehr zu empfehlen.

 

Gemeinsam gegen rechtsextreme Raumnahme

Auch wenn sich die Menschen am Kiekeberg eher unbeeindruckt zeigten, so wird auch der Landkreis Harburg gerade im Zuge des jetzigen Kommunalwahlkampfs für den 13.09.2026 durch rechte Übernahmestrategien bedroht.

Mit massiven Ortsverbandsgründungen, Übernahmewellen von Immobilien und perfiden Köderveranstaltungen möchte die AfD eine politische Vormachtstellung im ländlichen Raum gewinnen, den andere Parteien vermeintlich vernachlässigen oder aufgeben.

Auch den ländlichen Raum dürfen wir den Antidemokrat:innen nicht überlassen. Daher muss zum Schutze unserer Demokratie unumstößlich gelten: Keine Bühne (mehr) für die AfD bei sämtlichen Veranstaltungen des Landkreises Harburg!

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