500 Antifaschist:innen gegen die AFD in Winsen Luhe

„Alle zusammen für eine Stadt für alle“ – Rund 500 Antifaschist:innen kamen unter dem Demomotto am Samstag den 12.09.2026 in Winsen Luhe zusammen. Das Harburger Bündnis einig gegen Rechts war als antifaschistische Partnerinitiative wieder dabei.
„Wir überlassen Winsen nicht den Rechtsextremen“, ertönt eine energetische Stimme auf dem Winsener Rathausplatz. Menschen jeglichen Alters stehen geschlossen zusammen, klatschen zustimmend und bekunden mit lauten Pfiffen ihre Solidarität. Dieses hoffnungsvolle Bild zeichnete am vergangen Samstag die „Demo vor der Wahl“ in der Winsener Innenstadt.
Aufgerufen hatten die engagierten Aktivist:innen der queerfeministischen, antifaschistischen Gruppe „Winsen Luhe against Nazis“ (W.L.a.N) anlässlich der Kommunalwahl am 13.09.2026. Zahlreiche Initiativen aus dem gesamten Landkreis Harburg, der Umgebung sowie aus Hamburg reihten sich in den bunten Demozug der Winsener:innen ein.
Während in Hamburg immer wieder zu großen Demozügen mobilisiert werden kann, bleiben kleinere Orte um die Großstadt herum in der dringenden Notwendigkeit solidarischen Engagements leider meist ungesehen. Dabei geraten Menschen, die sich antifaschistisch engagieren und nicht unter dem „Schutz der Großstadt“ stehen, nicht selten sehr schnell in den gefährlichen Fokus rechter Akteur:innen.
„Die Rechten nehmen kleinere Orte extrem ein. Gerade hier brauchen Menschen jetzt unseren Support“, so eine junge Frau die sich bewußt dazu entschieden hat, an diesem Wochenende die Menschen in Winsen zu unterstützen.
An diesem Tag forderten mahnende Reder:innen den zukünftigen Winsener Stadtrat zum stabilen Engagement gegen rechte Diskriminierung und Queerfeindlichkeit auf. Wertvolles Wissen über das gefährliche Wirken der AfD in Winsen verknüpften einige Wortbeiträge mit einem Bewußtsein für die zentrale Rolle antifaschistischer Netzwerkbildung in Gemeinden und Dörfern.
Die AfD verfolgt bundespolitisch gesteuert eine gezielte Strategie der „ländlichen Raumnahme“
Ein erheblicher Zuwachs an Ortsverbandsgründungen, Bürgermeisterkandidaturen sowie bewusst inszenierte „Köderveranstaltungen“, sind bundesweit zu beobachten. Auf diese Weise versucht die AfD eine politische Vormachtstellung im ländlichen Raum zu gewinnen, den andere Parteien vermeintlich aufgeben oder vernachlässigen. Immobilien und öffentliche Räume werden in diesem Zuge strategisch eingenommen und rechtsextrem besetzt.
Anschaulich und aufklärend rückten die Antifaschist:innen von W.L.a.N im Rahmen ihrer Demo eine Schlüsselfigur der Rechtsextremen in Winsen in den Fokus: Julia Gehrckens. Noch viel zu wenig ist bekannt mit welch gefährlicher Strategin es die Winsener:innen hier zu tun haben.
Gehrckens ist Jugendvorständin der AfD Jugendorganisation „Generation Deutschland“, bezeichnete die Stadt Pforzheim als „gottlose Kanackenstadt“, gehört dem rechten Frauennetzwerk „Lukreta“ an und ist zudem fest entschlossen in den Stadtrat ihrer Geburtsgemeinde Winsen Luhe einzuziehen. Auf Listenplatz 2 stehend, besteht die große Gefahr darin, dass ihr dies auch gelingt.
Was die Gefährdungslage darüber hinaus für den gesamten Landkreis Harburg noch verschärft: Gehrckens ist Teil des AfD Kreisverbandes Harburg Land, der zum gesichert rechtsextremen AfD Landesverband Niedersachsen gehört. Auch der Blick auf das direkte Umfeld der Faschistin zeigt die alarmierende Nähe zu extrem rechten Kreisen und Positionen. So pflegt der Kreisvorsitzende Robert Offermann nachgewiesene Verbindungen zur rechtsextremen „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“, gehört der rechten Studentenverbindung „Germania Marburg“ an und war an mindestens einem rechtsextremen Naziaufmarsch in Dresden beteiligt . Allein der Kreisverband Harburg Land schuf mit der Aufstellung von vier Bürgermeisterkandidaten aus den Reihen des Kreisvorstandes ein besorgniserregendes Infiltrationsszenario.
Abschlußkundgebung mit bewegenden Redebeiträgen
Den wohl bewegendsten Moment erlebten die Demonstrant:innen bei der Abschlußkundgebung. Ein junger Mann mit Beeinträchtigung, dessen Sprachfähigkeit eingeschränkt ist, setzte in seiner flammenden durch KI umgewandelten Rede ein mutiges Zeichen für die Sichtbarkeit und Stärkung der Rechte von Menschen mit Behinderung und machte zugleich die Gefahr deutlich, die von der menschenverachtenden Gesinnung der AfD ausgeht. Anerkennender Applaus über mehrere Minuten erfüllte danach den Rathausplatz.
Als an diesem Demotag der letzte Redebeitrag verklungen war, kamen zahlreiche Aktivist:innen der empowernden Aufforderung von W.L.a.N nach: Zu verweilen, um miteinander ins Gespräch zu kommen, sich weiter zu vernetzen und so dem „WIR GEGEN RECHTS“ wieder ein Stück mehr Wirkmacht zu verleihen. Wir werden sie in Zukunft dringend benötigen – vielleicht mehr denn je.




